Geschichte

Der jährlich im Februar stattfindende BHM geht bekanntlich auf die Initiative des afroamerikanischen Historikers Carter J. Woodson zurück, der bereits seit 1915 in den USA mit Ausstellungen und dem „Journal of Negro History“ über die Geschichte der Afroamerikaner informierte. Die von ihm, zusammen mit anderen Gleichgesinnten, 1926 als „Negro History Week“ ins Leben gerufene Feierlichkeit fand jährlich im Februar statt und zog soviel Aufmerksamkeit auf sich, dass ähnliche Veranstaltungen zum Thema „Black History“ bald in weiten Teilen der USA, in Communities und Schulen stattfanden. Dies stieß zwar auch auf Ablehnung aus Teilen der Weißen Bevölkerung, aber Ende der 60er Jahre hatte sich das Event dennoch zum „Black History Month“ entwickelt und ist in den USA seit Mitte der 70er Jahre eine offizielle Tradition, die auch von staatlicher Seite anerkannt bzw. unterstützt wird.

 

Initiiert von der US-amerikanischen Sängerin Cynthia Utterbach, und später mit Unterstützung einiger befreundeter schwarzer Frauen, wie Love Newkirk, Iris Moore und Orolontoyin Manly-Spain, wurde 1996 in Hamburg ein Wochenende dem BHM gewidmet. Motiviert von der Erfahrung, dass es viele Menschen in Deutschland gab, die in Bezug auf die Ursprünge vieler US-amerikanischer Musikstile und der generellen afroamerikanischen Geschichte ein geringes Wissen hatten, beschlossen sie, darüber zu informieren.

 

Das erste öffentliche BHM Event fand 1998 im „Dennis Swing Club“ statt. Dies war einer der ältesten Jazzclubs Hamburgs und zugleich wohl die erste Location eines Schwarzen in dieser Stadt. Dennis Busby, ein Pianist aus Trinidad & Tobago eröffnete 1968 seinen Club, in dem über mehrere Jahrzehnte diverse internationale Jazzgrößen zu Gast waren. Zur Zeit des ersten BHM führte der Jamaikaner Devon Brown mit seiner Frau das Lokal und wurde später Teil des Organisations-Teams. Mit selbstgefertigten Collagen, Zeitungsausschnitten, Bildern, Fotos, Heften, Büchern und Erzählungen präsentierten Cynthia Utterbach und Iris Moore anfangs hauptsächlich afroamerikanische Geschichte. Weitere Bestandteile des Events, das sich an einem Sonntagnachmittag bis zum späten Abend hinzog, waren eine Mal- und Bastelecke für Kinder, „Homemade Black American Soulfood“ und natürlich Livemusik. Die Atmosphäre war familiär und im folgenden Jahr gab es schon personelle Unterstützung bei der Durchführung. Einige von ihnen kamen aus anderen Kulturkreisen als den USA, und so wurde das Programm entsprechend erweitert. An 4 Sonntagen wurde Schwarze Kultur und Geschichte aus den meisten großen Regionen der Schwarzen Diaspora wie Nord- und Südamerika, der Karibik, Teilen Europas und dem Mutterland Afrika präsentiert. Damit war das Grundkonzept der bis 2017 stattfindenden jährlichen BHM Hamburg Eventreihe gelegt.

 

Als Cynthia Utterbach 2004 Deutschland verließ, führte Nigel Asher mit einigen der bereits Beteiligten die Tradition fort. Bereits zuvor hatte es einige Locationwechsel aufgrund von Schließungen gegeben, und nun wurde eine größere Räumlichkeit gesucht, um mehr Publikum und mehr Aufmerksamkeit zu erreichen. Gerne hätten wir weiterhin eine Location unter Schwarzer Leitung genutzt, aber fanden keine mit geeigneten Räumlichkeiten. So fiel die Wahl 2006 auf den Stage Club, einer großen, neuen und elegant eingerichteten Location, mit der eine sehr erfolgreiche Zeit für den BHM in Hamburg begann.

 

Die ISD Hamburg war ab 2007 Teil des BHM-Organisationsteams und wurde im folgenden Jahr offizielle Veranstalterin. Dies verschaffte uns mehr Möglichkeiten zur Gestaltung und Umsetzung des Programms, da wir nun als eingetragener Verein agierten und damit die Voraussetzungen für Förderanträge bei bestimmten Institutionen erfüllten. Außerdem hatten wir nun mehr Personal für die Durchführung der einzelnen Events. Besonders erfolgreich waren die Jahre 2007 bis 2011, wo auf einigen Gruppentreffen bis zu 25 Leute zusammenkamen. In größerer Runde wurden die Planung und Gestaltung des Programms besprochen. Aufgaben wie Finanzierung, Booking und Pressearbeit blieben dabei Sache eines kleinen Kernteams, das sehr viel Zeit und Energie in diese Arbeit steckte. Die Vorbereitungssphase begann meist 6 Monate vor dem Event und bestand aus Konzepterstellung, Recherche, Locationsuche, Sponsorensuche, Förderantragstellung, Künstler- und Referentenbooking und endete mit der Pressearbeit und der Bewerbung. Je dichter der Eventbeginn im Februar rückte, desto mehr gab es zu tun, und ab Dezember arbeitete das Kernteam so gut wie täglich, teilweise bis spät in die Nacht.

 

Obwohl wir nun ein Gesamtbudget von mehreren Tausend Euro zur Verfügung hatten, mussten wir aufgrund des Programmumfangs trotzdem sehr sparsam damit umgehen. Wir versuchten so viele Aufgaben wie möglich selbst zu erledigen. Nach dem Motto „Learn by doing“ sammelten wir mit der Zeit wertvolle Erfahrungen und Kontakte und bauten damit eine Struktur, auf die jedes Jahr wieder genutzt werden konnte. Dies war besonders im Bereich Presse / Medien und Förderer hilfreich, aber auch diverse Künstler, Künstlerinnen, Referenten und Referentinnen wurden wiederholt engagiert. Der BHM hatte sich durch sein erfolgreiches, gut umgesetztes Konzept mit jährlich über 2000 Besuchern und diversen TV-, Radio- und Presseberichten als ein festes Hamburger Kulturevent der Schwarzen Community im Hamburger Kulturleben etabliert und wurde seit 2006 als das am längsten bestehende Event der Schwarzen Community regelmäßig von der Kulturbehörde gefördert. Die Anerkennung des BHM von staatlicher Seite als ein bedeutendes Event, zusammen mit der Aufmerksamkeit der Medien, war sehr wichtig, da sie die Wahrnehmung Schwarzen Lebens in seinen vielen Facetten in der Öffentlichkeit stärkte.

 

Die Fortführung der BHM Tradition, als eine Plattform Schwarzen Lebens in Hamburg, ist für die Entwicklung und Stärkung der Schwarzen Community von Bedeutung und sehr wünschenswert.